Schmuckstücke und Sanierungsfälle
Freud’ und Leid wäre vielleicht übertrieben, aber jeder der sich mit analogen Kameras beschäftigt, die 30 Jahre und älter sind wird früher oder später ein Exemplar erwerben, dass nicht so reibungslos wie zu seiner Geburtsstunde funktioniert. Gerade wenn man via Auktionsplattform zuschlägt, ist eine Funktionsprüfung im Regelfall gar nicht und eine Sichtprüfung nur bedingt mit den zur Verfügung gestellten Fotos möglich.
Klarer Fall auch mich hat es ereilt. Die in freudiger Erwartung erworbene Welta Reflekta II hat sich als hartnäckiger Sanierungsfall herausgestellt. Vom äusseren Zustand noch durchaus als passabel zu bezeichnen, hat ein Öffnen der Kamera optisch und olfaktorisch (Vorsicht Fremdwort
) offenbart, dass das gute Stück wohl schon längere Zeit in einem feuchten Keller gelagert hat. Oberflächenreinigung kein Problem aber beim Versuch den Verschluss zur Tätigkeit überreden zu wollen, hat dieser beharrlich gestreikt. Nach mehreren Dutzend etwas gröberen Überredungsversuchen ist die Mechanik langsam wieder in Gang gekommen, konnte jedoch bei keiner Zeit zum selbstständigen Öffnen und Schliessen gebracht werden.
Ein Feigling, wer hier die Flinte ins Korn wirft. Freund Internet weiss immer Rat und so habe ich mich auf die Suche begeben um etwas mehr zum Thema Verschlussreparatur zu finden. Nach 2 Stunden Lesens haben sich die Schlagwörter Backofen, Ballistol und Alkoholbad herauskristallisiert verbunden mit der Warnung bloss nicht demontieren. Also Verschluss ausbauen und in Alkohol baden. Ergebnis: noch schwergängiger als vorher. Zweiter Versuch Benzin. Wieder etwas besser aber immer noch kein Durchbruch. Also das gute alte WD-40 zücken. Hmm, wesentlich besser aber jetzt sind sämtliche Lamellen verölt – das Zeug kriecht wirklich überall hin (ich gebe zu, ich habe auch nicht gerade dezent portioniert…). Es folgten noch ein paar Temperaturversuche, die Hoffnung auf längere Einwirkzeit, um mich letztlich davon zu überzeugen, dass das alles keinen Zweck hat. Schneiden wir den Patienten auf
Gesagt, getan, 20€ Kamerainvestition sind im Zweifelsfall zu verschmerzen und wir wollen ja was lernen. Dank Minischraubenzieher und Pinzette ist das gute Stück zerlegt, die einzelnen Lamellen entnommen und die ganze Ölpampe mit erneutem Alkoholbad wieder entfernt. Soweit war ich als Kind mit meinen Versuchen, diverse Elektronikgeräte zu reparieren auch immer gekommen. Die Kür lautet nun das Puzzle wieder zusammen zu setzen. Zum Glück warten ein paar bürofreie Tage auf mich


Na toll! Jetzt bin ich neugierig auf den Artikel über das Zusammensetzen!
Bin gespannt.
Mal schaun, wie schnell der kommt
Auseinander bauen geht ja immer schnell…
Hallo Boris, das kommt mir unheimlich bekannt vor (http://www.thinkthrice.de/?p=4246). Bei mir war der Patient ein altes Objektiv, bei dem die Blende verölt und verharzt war.
Nun funktioniert das gute Stück wieder und ich bin irgendwie etwas stolz, wenn ich es in die Hand nehme.
Viel Erfolg beim Zusammensetzten der Kamera.
Respekt Ronnie, Objektiv erscheint mir noch ne Nummer härter (ohne es wirklich beurteilen zu können)… Ich glaub ich brauch dafür einen ganz ruhigen Abend alleine, sonst wird das nix