Sinatra und die Kritiker

Von Experten lernen, Kritik annehmen – tolle Sache. Wenn ich ab und an in den einschlägigen Foren stöbere und mir die teilweise hinterlassenen Bildbewertungen und Kommentare durchlese, wechseln sich Staunen und Lachen regelmässig ab. Von den bekannten Lobpreisungen bis zu hobbypsychologischen Mutmassungen über das Seelenleben des Fotografen und seine vermutlich traumatischen Kindheitserlebnisse wird hier alles geboten.

Ich habe das ja alles selber mitgemacht. Bilder auf Expertenplattformen hochgeladen, um Feedback gebeten, Diskussionen angefangen – möglicherweise ist das ein Weg zum “besseren Bild”. Aber nicht mehr meiner. Ich bin mir zwischenzeitlich recht sicher was Müll ist und was nicht. Wenn die Erkenntnis auch mitunter auf sich warten lässt und ich mich nach ein paar Wochen frage wie ich das betreffende Machwerk präsentationswürdig finden konnte.

Stöbern in alter Fotografieliteratur, betrachten unzähliger Fotografien alter und neuer Künstler, Herumspielen und Experimentieren, dass sind die Mosaiksteinchen an denen sich meine heutige Entwicklung orientiert. Klar diskutiere ich auch mal mit Freunden und Gleichgesinnten über meine Bilder und logisch nehme ich hier Kritiken und Anregungen mit, aber von der Präsentation in Foren selbsternannter Fotoexperten lass ich die Finger. Die ständigen Lachanfälle gehen aufs Zwerchfell.

Beispiel gefällig? Da zeigt ein naiver Fotoneuling sein jüngstes Machwerk. Architekturaufnahme. Ein Klassiker – verglaste Fensterfront, dezente Spiegelungen, viele Linien und Grautöne. Einer der ersten schlauen Kommentare: “Du, sei mir nicht böse aber mir fehlt die Message im Bild, gefolgt vom üblichen Kontrast, Farbe, blablabla.” Und was macht die arme Wurst? Verteidigt sich auch noch. Da gibts nix rein zu interpretieren. Spiel mit Formen, Linien, Kurven, Licht und Schatten muss keine Message haben!

Sakrament noch mal, jetzt reg ich mich doch auf. Die Botschaft von hochglanzpolierten Blumen- & Bienenmakros, knallbunten Weizen- und Mohnfelder der Expertenriege könnte man sich ja mal erklären lassen.

Fazit: Frei nach Frankyboy – I do it my way…



6 Wortmeldungen zu “Sinatra und die Kritiker”

  1. christian sagt:

    recht so!
    alles andere ist eh fürn a…. und es wird sich auch nie ändern.
    und ich kann noch nicht mal sagen: leider. weil es mir mittlerweile egal ist. die ganzen hobbyhistographen und bildhistoriker, inhaltspsychologen und goldenerschnittverfechter sind halt auch nur leute, die einem schon fast leid tun können. wenn mir einer unters bild schreibt: geiles bild, aber das überstrahlt aber da, die lichter sind viel zu heftig, dann denke ich mir mach halts licht aus. bestenfalls. oder lies weiter photoshop-bücher und ergötz dich an gammakurven.
    regrets, i’ve had a few,
    but then again, too few to mention.
    i did what i had to do
    and saw it through without exemption.

  2. Tilla Pe sagt:

    Tse. Wo warst denn Du schon wieder? *grinst sich eins*

  3. Oder um es mit James Brown zu sagen: do it now and worry about later

    Welch wundervoller Astralmoment erwartet uns, wenn wir in ein Schlangennest der Histogrammonanisten und Goldenschnitter ein Kleinod der Regelverletzung setzen … nur um zu sehen, wie der Selbstverzehr des Tonwertbakteriums über Datenblätter und fototechnische Hilfswerke voran schreitet. Glücksmomente und pure Verzückung erwartet uns, wenn wir lässig zurückgelehnt das Spektakel der Sichselbstindiehöheschwinger beobachten können. So müssen sich Imperatoren gefühlt haben, wenn sie dem blutigen Spiel im Circus Maximus den Glanz ihrer Anwesenheit verliehen.

    Besonders nett ist es, wenn man mit Gleichdenkenden ein Net-Event daraus macht. Ich bin sicher, schon eine kleine Gruppe … vielleicht drei oder vier … können mit bedachtsamem Einstreu von Bemerkungen die Experten zu ungeahnten Erblödungen bringen. Schade, daß ich nicht ausreichend Zeit habe. Zu gerne würde ich mal wieder einem Komödienstadel beiwohnen oder gar Teil dessen sein.

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